Preis­trä­ger für aus­ge­zeich­ne­te Dis­ser­ta­ti­on Dr.-Ing. Mats Vern­holz im In­ter­view

 |  EIM-NachrichtenEI-Nachrichten

Am Sonntag, den 18. Januar 2026, fand der traditionelle Neujahrsempfang der Universität Paderborn statt. Bei der Veranstaltung im Audimax mit rund 400 Gästen ehrte die Universität erneut herausragende Leistungen von Wissenschaftler*innen und Studierenden.

Zu den ausgezeichneten Doktoranden zählt in diesem Jahr auch Mats Vernholz. Er wurde für seine ausgezeichnete Dissertation geehrt und nahm den Preis im feierlichen Rahmen des Neujahrsempfangs entgegen. Mit der Auszeichnung würdigt die Universität sein überdurchschnittliches Engagement sowie seine hervorragenden fachlichen Leistungen.

Im Anschluss an die Preisverleihung haben wir mit Mats Vernholz über seine Studien- und Forschungszeit am Fachgebiet Technikdidaktik des Instituts für Elektrotechnik und Informationstechnik, seine Motivation und seine Zukunftspläne gesprochen. Im Interview berichtet er, was ihn besonders an seinem Fach begeistert, welche Herausforderungen er im Studium gemeistert hat und welche Rolle die Unterstützung durch Lehrende und Mitstudierende für seinen Erfolg gespielt hat.

Wir gratulieren Mats Vernholz herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung und wünschen ihm für seinen weiteren Weg viel Erfolg und alles Gute.

Herr Dr. Vernholz, herzlichen Glückwunsch zum Preis! Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung persönlich?

Sehr viel. Der Preis ist eine Anerkennung dafür, dass akademische Selbstkonzepte in der gewerblich-technischen Lehrkräftebildung nicht nur ein Nischenthema, sondern zentral für professionelle Entwicklung sind. Für mich persönlich ist es natürlich eine tolle Belohnung nach der doch oft anstrengenden Promotionszeit! Besonders freut mich aber auch, dass die Technikdidaktik als Fachdidaktik so stärker in den Fokus gerückt wird. 

Worum geht es in Ihrer Dissertation und warum ist das Thema der akademischen Selbstkonzepte für die Lehrkräftebildung so relevant?

Ich untersuche, welche Strukturen akademische Selbstkonzepte im Kontext des Lehramtsstudiums aufweisen und wodurch sie sich entwickeln. Akademische Selbstkonzepte beschreiben, wie Personen ihre eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen in bestimmten Bereichen wahrnehmen (bspw. Äußerungen wie „Mathe liegt mir“) Methodisch verbinde ich dazu eine quantitative Studie (Fragebögen), angelehnt an das TPACK-Modell, mit einer vertiefenden Interviewstudie auf Basis des PCK-Modells. Akademische Selbstkonzepte sind dabei sehr relevant für (angehende) Lehrkräfte. Die Forschung zeigt, dass sie bspw. Aspekte wie den Studienverlauf, Berufszufriedenheit, Resilienz und professionelle Entwicklung beeinflussen – also zentrale Bereiche für die Lehrkräftebildung.

Was hat Sie motiviert, sich gerade mit angehenden gewerblich-technischen Lehrkräften zu beschäftigen?

Ein Hauptgrund ist sicherlich, dass ich selbst aus dem gewerblich-technischen Lehramt stamme. Gleichzeitig zeigt ein Blick in die Forschungslandschaft, dass diese Gruppe in der Selbstkonzeptforschung unterrepräsentiert ist, zugleich aber besonders heterogen – u. a. durch verschiedene Wege ins Lehramt. Diese Heterogenität macht sie forschungsseitig spannend und bildungspolitisch bedeutsam.

Welche Rolle spielen praktische Erfahrungen und Vergleichsprozesse für das Selbstbild von Studierenden, wie Sie sie in Ihrer Arbeit herausgearbeitet haben?

Praktische Erfahrungen spielen eine enorm wichtige Rolle für die akademischen Selbstkonzepte der gewerblich-technischen Lehramtsstudierenden. Dies betrifft sowohl praktische Erfahrungen im Ingenieursbereich als auch praktische Erfahrungen im schulischen Bereich. Zum Beispiel lautete hier eine Äußerung in den Interviews: „[es] sind mir eigentlich keine Themen irgendwie geläufig, die ich nicht beherrsche, einfach weil ich halt erst diesen Bachelor gemacht habe, dann auch noch gearbeitet habe, vorher auch die ähm praktische Ausbildung, was mir auch sehr geholfen hat, und dementsprechend sehe ich da eigentlich keine Defizite.“.

Was können Hochschulen und Lehrende konkret aus Ihren Ergebnissen für die Gestaltung der Lehramtsausbildung mitnehmen?

Zwei zentrale Erkenntnisse sind diese: Auf der einen Seite gilt es, Theorie und Praxis so zu verzahnen, dass Relevanz nicht nur behauptet, sondern erlebt wird. Auf der anderen Seite müssen Lernumgebungen so gestaltet werden, dass Vergleiche nicht zum „Wettkampf im Seminarraum“ werden, sondern zu einer konstruktiven Standortbestimmung. Hier könnte in Zukunft auch generativer KI eine größere Rolle zukommen, um positive Vergleichsprozesse zu fördern.

Sie verbinden in Ihrer Dissertation quantitative und qualitative Methoden. Was war Ihnen an diesem Mixed-Methods-Ansatz besonders wichtig?

Der Mixed-Methods-Ansatz meiner Dissertation liegt klar in den Forschungsfragen begründet. Auf der einen Seite interessierte mich die Struktur akademischer Selbstkonzepte. Hier war die quantitative Studie sinnvoll, um Strukturen und Unterschiede darin abhängig von soziodemographischer Heterogenität zu untersuchen. Gleichzeitig interessierte mich allerdings auch, warum die akademischen Selbstkonzepte so strukturiert waren. Hierfür brachte die qualitative Studie tiefergehende Einblicke, die mit einem rein quantitativen Vorgehen vermutlich nicht möglich gewesen wären.

Woran möchten Sie in Zukunft weiterforschen und welche nächsten Schritte stehen für Sie wissenschaftlich an?

In den nächsten Monaten möchte ich mein Forschungsprofil weiter schärfen. Ein diesbezüglich wichtiger Schritt ist sicherlich ein zweimonatiger Forschungsaufenthalt an der Curtin University in Perth (Australien), welchen ich in diesem Jahr durchführen werde. Hier werde ich meine im Rahmen der Dissertation gewonnene Expertise hinsichtlich Selbstwahrnehmungen von angehenden Lehrkräften nutzen, um zu überprüfen, inwieweit diese durch personalisiertes, KI-gestütztes Feedback gefördert werden können.

Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser, insbesondere Studierende, aus Ihrer ausgezeichneten Arbeit für sich mitnehmen?

Dass Selbstkonzepte kein rein theoretisches Konstrukt sind, sondern handlungsleitend und von Bedeutung für ihre akademische und berufliche Entwicklung sein können: Bewusst mit Vergleichssituationen umgehen, Praxis gezielt reflektieren und Stärken in allen Professionsdimensionen entwickeln. Konkret heißt das, den Kontakt zu Kommiliton*innen suchen und von deren Stärken profitieren und gleichzeitig mit den eigenen Stärken anderen weiterhelfen.

Welche Rolle hat die Universität Paderborn für Ihren wissenschaftlichen Weg gespielt und warum bietet sie aus Ihrer Sicht besonders gute Bedingungen für Forschung und Lehrkräftebildung in der Technikdidaktik?

Die Universität Paderborn und das Fachgebiet Technikdidaktik haben mir besonders gute Bedingungen für die Durchführung meiner Forschung gegeben. Besonders zu nennen sind hier die Unterstützung, die ich durch das Fachgebiet Technikdidaktik erhalten habe. Die stets positive Arbeitsatmosphäre und die gegenseitige, konstruktive Unterstützung im Team haben meine Promotion immer positiv begleitet. Gleichzeitig sind auch die vielen Unterstützungsangebote zu nennen, welche an der Universität existieren, wie beispielsweise das Forschungskolleg Empirische Bildungsforschung der PLAZ Professional School of Education, bei dem ich meine Ideen und Ergebnisse der Dissertation zur Diskussion stellen konnte.

Dr.-Ing. Mats Vernholz (Universität Paderborn)
Preisträger*innen für ausgezeichnete Dissertationen mit Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Tröster, Dr.-Ing. Mats Vernholz erster von rechts, (Universität Paderborn, Besim Mazhiqi)