Elek­tro­tech­nik News

In­ter­view: Ge­flüch­te­ter Stu­die­ren­der aus der Elek­tro­tech­nik er­hält Un­ter­stüt­zung durch das In­te­gra­ti­ons­pro­gramm „N­R­We­ge"

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Michil Nono lebt seit 2016 in Deutschland. Im vergangenen Wintersemester hat er sein Bachelorstudium in der Elektrotechnik hier an der Universität Paderborn begonnen. Durch das Einstiegsstipendium „NRWege“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat er neben finanzieller Unterstützung auch an einigen Workshops teilnehmen können. Im Interview erzählt er, wie ihm das Studium bisher gefällt, was er durch das Stipendium mitnehmen konnte und worauf er sich in den kommenden Jahren an der Universität Paderborn am meisten freut.
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Sie studieren seit dem Wintersemester 2020 Elektrotechnik an der Universität Paderborn. Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden?

Mich interessiert das Feld der Elektrotechnik im Allgemeinen einfach sehr. Außerdem hat mein Vater damals dasselbe studiert und dadurch bin ich schon recht früh mit diesem Bereich in Kontakt gekommen. Als ich dann älter wurde, habe ich auch schon viel Erfahrung in der Firma von meinem Vater sammeln können, weshalb sich eine Vertiefung durch das Studium richtig angefühlt hat. 

Wussten Sie also schon immer, dass Sie Elektrotechnik studieren wollen?

Ja, eigentlich schon. Als Kind habe ich mich vor allem für den handwerkliche, praktischen Bereich der Elektrotechnik interessiert, weshalb für mich schon recht früh klar war, dass ich später etwas in diesem Bereich studieren möchte. Als ich dann vor ein paar Jahren nach Deutschland gekommen bin, hat sich für mich die Möglichkeit zu einem Praktikum bei einer Firma in Münster, welche sich auf Energie- und Gebäudetechnik spezialisiert hat, ergeben. Dadurch habe ich gemerkt, dass mir Elektrotechnik sehr viel Spaß macht!

Gab es eine prägende Erfahrung aus Ihrer Kindheit, an die Sie sich besonders gut er-innern können?

Dort, wo ich aufgewachsen bin, dauern die Sommerferien drei Monate. Um in den Ferien noch etwas Geld zu verdienen, haben meine Eltern mich und meine Cousins immer in die Werkstatt geschickt, wo wir den ganzen Sommer ausgeholfen haben. Bis ich 18 Jahre alt war, haben wir dort jeden Sommer im Bereich Energie- und Bautechnik gearbeitet und uns um Gebäudetechnik gekümmert. Das war sehr prägend, weil ich in dieser Zeit viel gelernt habe. 

Bietet Elektrotechnik für Sie eine Möglichkeit später ihren Traumberuf auszuüben?

Ja auf jeden Fall. Zwar habe ich mich noch nicht genau festgelegt, welche Richtung ich später beruflich gehen möchte, aber ich weiß, dass mir der Abschluss viele Möglichkeiten eröffnen wird.

Sie werden ja noch einige Jahre hier an der Universität Paderborn verbringen, bis Sie Ihren Bachelorabschluss haben werden. Wie ist Ihr Eindruck bisher von Paderborn und der Universität? Was macht Paderborn für Sie zu einem attraktiven Studienort?

Es gefällt mir sehr gut hier! Im Vergleich zu anderen Universitäten finde ich den Campus hier besonders schön. Das Studentenwohnheim gefällt mir auch und die Studierenden, die ich bisher kennengelernt habe, sind alle sehr aufgeschlossen und nett gewesen. Außerdem gefallen mir die vielen Veranstaltungen, die die Universität und vor allem das International Office für uns organisieren. Dadurch konnte ich zum Glück schon einige Kommilitonen kennenlernen. Und an Paderborn gefällt mir, dass die Stadt nicht zu groß ist. Es ist alles sehr familiär und dadurch lernt man sehr schnell und viel leichter andere Leute kennen!

Wie sind Sie auf das Einsteiger-Stipendium aufmerksam geworden?

Das International Office hatte eine E-Mail an uns Studierende geschickt. Da habe ich mich erstmal ein bisschen darüber informiert und später auch dort angerufen, um weitere Fragen abzuklären. Den Antrag zu stellen war auch gar nicht so kompliziert und das International Office hat mir dabei sehr geholfen.

Was haben Sie durch das Stipendium gelernt?

Ich habe im Rahmen des Stipendiums an vier Workshops teilgenommen. Darin ging es vor allem darum, zu lernen, wie man eine Bewerbung richtig schreibt und sich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten kann. Das war sehr hilfreich und hat auch viel Spaß gemacht. 

Hat das Stipendium auch Ihre Motivation und Ihr Selbstbewusstsein in Bezug auf Ihr Studium positiv beeinflusst?

Ja, auf jeden Fall! Einiges aus den Workshops hatte ich auch schon während meines Sprachkurses gelernt. Aber durch die Vertiefung und Wiederholung während der Workshops bin ich jetzt viel sicherer geworden. Gerade was Vorstellungsgespräche und das Freisprechen auf deutsch angeht, bin ich nun viel sicherer geworden.

Welche neuen Perspektiven haben Sie für Ihre berufliche Zukunft erlangt?

Ich fühle mich viel vorbereiteter darauf, nach meinem Studium einen passenden Job zu finden und mich erfolgreich darauf bewerben zu können. Außerdem kann ich mein Wissen in Bezug auf Bewerbungen auch dafür nutzen, um mich eventuell für ein späteres Stipendium bewerben zu können.

Wie hat sich Ihr Blick auf Ihr Studium verändert?

Durch die finanzielle Absicherung über das Stipendium hatte ich viel mehr Zeit, um mich auf mein Studium konzentrieren zu können. Gerade während Corona hat mir das sehr viele Sorgen abgenommen, da ich Angst hatte, keinen Job zu finden und mir das Studium letztendlich nicht leisten zu können. Durch das Stipendium hatte ich diese Sorgen nicht und konnte mich umso mehr auf mein Studium und das Studienfach Elektrotechnik konzentrieren. 

Sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit für Sie aktuelle Themen die Sie in der Elektrotechnik finden?

Ja, sehr! Ich möchte auch gerne irgendwann meinen Master im Bereich Energietechnik machen. Ich merke, wie dieses Thema immer wichtiger wird und ich würde mich gerne darin vertiefen. Bisher habe ich noch nicht so viel in meinem Studium dazu gelernt, aber ich weiß, dass das in den nächsten Semestern auf jeden Fall noch kommen wird.

Hatten Sie das Gefühl, dass Ihnen die Uni Paderborn und Ihre Kommilitonen bei Fragen und Problemen weiterhelfen konnten?

Ja. Jeder, den ich bisher hier kennengelernt habe, hat immer großes Verständnis für mich gehabt und bei Fragen und Problemen geholfen. Vor allem das International Office hier an der Universität Paderborn war sehr hilfreich und ist immer gut mit mir umgegangen.

Wofür sind Sie während Ihres Studiums besonders dankbar?

Ich bin sehr dankbar für das große Verständnis der Menschen hier an der Universität Paderborn. Ich bin seit drei Jahren hier in Paderborn und bin bisher noch nie auf Probleme gestoßen – im Gegenteil, ich wurde immer sofort bei allem unterstützt. Das schätze ich hier besonders.

Gab es während des Studiums Erlebnisse, die Sie am meisten überrascht haben, mit denen Sie nicht gerechnet haben?

Ja, leider die Bürokratie. Manchmal fällt es mir schwer, direkt alles zu verstehen. Wenn ich dann mal etwas falsch beantworte oder ausfülle, dauert das direkt viel länger mit dem Zurückschicken und neu bearbeiten. Ich muss zugeben, damit hatte ich anfangs nicht gerechnet

Corona ist leider auch ein großes Thema in Ihrer Studienzeit. Wie ging es Ihnen in dieser Anfangszeit und wie hat sich das eventuell durch die Präsenzlehre gewandelt?

Ich fand es sehr schade, dass ich letztes Jahr nicht an der O-Woche oder anderen Ersti-Veranstaltungen teilnehmen konnte. Das war anfangs sehr frustrierend, dass ich keine Freunde treffen konnte und auch keine direkte Hilfe von der Fachschaft bekam. Deshalb musste ich alles bezüglich der Anmeldungen zu Veranstaltungen selbst machen und das war ganz schön viel zu Beginn meines Studiums. Jetzt ist es aber besser durch die Präsenz. Man sieht andere Studierende auf dem Campus und das motiviert einen selbst, weiterzustudieren und mehr zu lernen. Ich bin generell viel motivierter, wenn ich morgens aufstehe und zur Uni gehe. Und auch in der Lehre find ich es in Präsenz viel besser. Man hat nicht mehr die Sorge zu technischen Problemen und kann mit den Dozent*innen face-to-face sprechen und direkte Fragen klären. 

Was wünschen Sie sich für Ihre restliche Studienzeit hier an der Universität?

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn es wieder mehr Veranstaltungen an der Uni geben würde, wo man auch andere Studierende kennenlernen kann. Beispielsweise habe ich einige Informatikkurse in meinem Studium, kenne aber wenig Informatikstudierende. Da würde ich mich sehr freuen, wenn die gesamte Fakultät EIM hin und wieder zusammenkommen würde, sodass sich die Studierenden aus den verschiedenen Instituten verknüpfen könnten. Das würde mir zum Beispiel sehr helfen, wenn ich mal Fragen zu einer Informatikvorlesung habe und direkt schon Freunde oder Kontakte zu Informatikstudierenden hätte.

Was folgt nach Ihrem dem Studium? Welche Pläne und Wünsche für Ihre Zukunft haben Sie?

Nach dem Bachelorstudium möchte ich gerne direkt anfangen, irgendwo zu arbeiten und etwas praktische Erfahrung sammeln. Danach überlege ich mir, ob ich noch einen Master machen möchte. Je nachdem, wo ich dann später arbeite, kann ich mich eventuell ja auf eine neue Richtung festlegen. Aber zurzeit liegt der Fokus bei mir eher darauf, nach meinem Bachelorabschluss anzufangen, zu arbeiten.

Als abschließende Frage: Was ist Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Für mich persönlich, dass ich irgendwann ein kleines Haus habe, mit einem kleinen Auto, eine Frau und zwei Kinder. Und allgemein, dass wir alle in einer etwas faireren Welt leben, in der alle Menschen die gleichen Möglichkeiten bekommen.

 

Weitere Informationen zu dem Programm:
https://www.uni-paderborn.de/studium/internationale-studierende/fluechtlinge-willkommen/nrwege-ins-studium/ 

https://www.daad.de/de/infos-services-fuer-hochschulen/weiterfuehrende-infos-zu-daad-foerderprogrammen/nrwege/

(Foto: Zara Akopyan)